Durch eine Lücke in den Bäumen schweift der Blick über Felder und Wiesen. Es duftet nach Blumen und sonnengetrocknetem Heu. In der Ferne sieht man die Dächer von Bad Kissingen. So fühlt sich ein Sommertag auf dem Weg der Besinnung an. „Ausblick“: So heißt passend dazu auch eine der Stationen des Weges. In eine rund drei Meter hohe Metallplatte hat der Künstler Helmut Droll aus Euerdorf den Umriss eines Menschen mit ausgebreiteten Armen geschnitten. Insgesamt zwölf Kunstwerke hat er für den „Weg der Besinnung“ geschaffen.
Barrierefreier Weg
Am Waldrand entlang verläuft der Weg in sanften Kurven im Schatten der Bäume. Zu Beginn sieht er ein wenig uneben aus. Er soll aber auch für Familien und Senioren geeignet sein, heißt es von der Kurseelsorge vor Ort. Gleich am Anfang stehen sich zwei Spiegel gegenüber. Mit ein bisschen Rumprobieren sieht man darin viele Spiegelbilder, die immer kleiner werden. Ein paar Schritte weiter ist eine Texttafel. „Wer bin ich? Gestern ein anderer als heute und morgen? Wer will ich sein?“, ist darauf zu lesen. Zu jeder Station gehört eine Texttafel, die von den damaligen Pfarrern Edwin Ziegler und Jochen Wilde (evangelisch) geschrieben wurde.
Besinnung verbinden viele Menschen mit Nachdenken oder Meditation, aber auch das bewusste Gehen des Waldweges gehört dazu. An diesem heißen Sommertag summen Insekten, raschelt trockenes Laub unter den Füßen. Ab und an hüpft ein Vogel über den Weg. Plötzlich duftet es intensiv nach Rosen, noch bevor man hinter der nächsten Biegung den Strauch sehen kann.
Dabei lassen die abstrakten, aus Holz und Metall geschaffenen Kunstwerke viel Spielraum für eigene Gedanken. Wie die glänzende Kugel, die aus einem großen Haufen abgestorbener Äste herausragt. „Du!“ hat der Künstler die Station genannt. Das kann bedrohlich wirken, oder beschwichtigend. Die Texttafel bringt eine weitere Idee ins Spiel: „Wer ich auch bin, wohin immer ich gehe: Einer weiß von mir“, ist unter der Überschrift „Gefunden“ zu lesen. Der Weg wurde im Herbst 2006 eröffnet. Der Künstler selbst sagte bei der Eröffnung, dass keines der Objekte fertige Lösungen biete. Sie seien allenfalls „als Wegweiser für den Betrachter“ zu sehen, schrieb die Main-Post damals.
Interaktion mit den Stationen
Die Skulpturen laden auch dazu ein, mit ihnen in Interaktion zu treten: Die Skulptur „Geborgen“ etwa – ein riesiger Eichenstamm, der verkehrt herum im Boden steckt – ist groß genug, dass sich ein Mensch zwischen die Äste stellen kann, neben die kleine Kugel, die im Boden steckt. Zwischen den unterschiedlich hohen, dicken und dünnen Stäben, die bei „Wie weit noch“ in einer langen Reihe in den Wald hineinführen, kann man Slalom laufen. An der Station „Narben“ stehen vier scheinbar gleiche, glänzende Metallkugeln in einer Reihe – doch die eine hat einen Riss, die andere mehrere Dellen. Hier lässt sich über Lebensgeschichten und Verletzungen nachdenken.
Am Ende des Wegs stehen fünf Spiegel hinter einem großen Haufen von Ästen. Egal, wo man steht, man hat immer unterschiedliche Sichten auf den Wald. Hier wird klar: Jeder sieht etwas anderes.
Stichwort: „Weg der Besinnung“
Der „Weg der Besinnung“ ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Bad Kissingen, der katholischen und evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde sowie des Künstlers Helmut Droll aus Euerdorf (www.drolls.de) und wurde im Oktober 2006 offiziell eröffnet. Der rund zwei Kilometer lange Weg führt vom Heiligenhof in der Alten Euerdorfer Straße in Bad Kissingen bis zum Parkplatz am Rand des Stadtteils Garitz. Die zwölf Kunstwerke wurden von Droll konzipiert und gestaltet.
Weitere Informationen gibt es bei der katholischen Kurseelsorge unter www.kurseelsorge-bad-kissingen.de.
Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)








