Wie geschickt Bauer mit unterschiedlichen Perspektiven spielt, wird schon an der ersten Station deutlich: „Jesus wird zum Tode verurteilt“. Ein winziger Pilatus sitzt zwar hoch oben auf seinem Richterstuhl, aber Jesus ist mit ihm fast auf Augenhöhe. Jede Station ist architektonisch wie gärtnerisch so gestaltet, dass es zum jeweiligen Geschehen passt. So steht beispielsweise die zweite Skulptur, „Jesus nimmt das Kreuz an“, inmitten von weiß blühenden Blumen und Sträuchern. Das soll ein Zeichen für die Unschuld Jesu sein. Wenn Jesus das erste Mal unter dem Kreuz fällt, tut er das in einem kleinen Teich. Und wenn Jesus seiner Mutter begegnet, dann findet das inmitten von roten Rosen und rotlaubigen Sträuchern statt. Das soll für die Liebe der Mutter stehen.
Am eindrucksvollsten sind jedoch die Gesichter der Figuren. Dies sieht man zum Beispiel bei der Darstellung von Jesus und Simon von Cyrene, der ihm hilft, das Kreuz zu tragen. In der Interpretation von Bauer wirkt es so, als würde Simon auf Jesus zugehen, ihm auf die Schulter klopfen. Jesus dreht den Kopf ganz leicht nach hinten, seine Augen scheinen verwundert danach zu suchen, wer ihm da hilft. Wie Karikaturen wirken dagegen die höhnisch verzerrten Gesichter der Gaffer, wenn Jesus zum dritten Mal unter dem Kreuz fällt. Wie man selbst in dieser Situation reagiert hätte, kann man an der nächsten Station überlegen. Denn der Kopf desjenigen, der Jesus seiner Kleider beraubt, ist eine glatte, gesichtslose Kugel.