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Würzburger Neumünster

Als Herzstück des Bistums und der Missionierung Frankens gilt das Neumünster inmitten der Bischofsstadt Würzburg. In direkter Nachbarschaft zum Kiliansdom erhebt sich die markante Kuppel der Neumünsterkirche, die nicht nur das Würzburger Stadtbild entscheidend mitprägt, sondern als Grabeskirche der drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan zentrale Bedeutung für die ganze Diözese Würzburg hat.

Das Neumünster steht an jener Stelle, wo 689 die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan um ihres Glaubens willen getötet und zunächst heimlich verscharrt wurden. Ein erster Memorialbau wurde bereits im achten Jahrhundert durch Bischof Megingoz errichtet. Bischof Adalbero gründete dann um 1060 das Stift Neumünster. Seit dem 18. Jahrhundert zeigt sich das Neumünster als monumentale, kuppelüberwölbte Barockkirche. Die Umbauten wurden von Josef Greising und zahlreichen anderen Meistern ihrer Zeit durchgeführt. Die jüngste Umgestaltung erfuhr die Grabeskirche der Frankenapostel zwischen 2007 und 2009. Im Rahmen der aufwändigen Renovierung wurden nicht nur notwendige Instandsetzungen durchgeführt, sondern der gesamte Kirchenraum liturgisch neu konzipiert und auch zeitgenössische Kunst gefühlvoll eingebunden.

Bis auf den heutigen Tag dient die Neumünsterkirche vor allem der Kiliansverehrung. In die Kiliansgruft, wo die Gebeine der Missionare ruhen, zieht es alljährlich Tausende von Pilgern und Betern. Hier gedenken sie dem Schutzpatron Frankens – aber auch vielen anderen Heiligen und Seligen aus dem Bistum Würzburg. Daneben ist die Neumünsterkirche seit Bischof Julius Döpfner ein Zentrum der Eucharistischen Anbetung.

Das Neumünster ist täglich geöffnet.

Die aktuelle Gottesdienstordnung finden Sie hier.

Dompfarramt Sankt Kilian
Domerpfarrgasse 10
97070 Würzburg

Telefon: 0931 / 38662800
E-Mail: dompfarramt@bistum-wuerzburg.de
Internet: https://www.neumuenster-wuerzburg.de/

Grabeskirche des Heiligen Kilian

Der Überlieferung nach erlitt am Ort der heutigen Kirche der irische Wandermönch Kilian zusammen mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan um das Jahr 689 den Märtyrertod. Vermutlich befand sich an dieser Stelle ein Wirtschaftshof der fränkischen Herzöge, die damals auf der Festung Marienberg auf der anderen Mainseite residierten. Vermutlich seit 686 missionierte Kilian in und um Würzburg. Kilian forderte auch Herzog Gozbert auf, seine Ehe mit Gailana aufzugeben; Gailana war vormals mit Gozberts verstorbenem Bruder verheiratet, was nach alttestamentlichen Bestimmungen unzulässig war (Leviratsehe = Schwagerehe). Zwar zeigte sich Gozbert einsichtig, Gailana jedoch widersetzte sich: Sie ließ die Wanderprediger heimlich umbringen und deren Leichen im Bereich der heutigen Kirchen Dom und Neumünster verscharren.

Trotz Gailanas Freveltat konnte das Christentum in Franken Fuß fassen: Gozberts Sohn Hetan ließ einer spätmittelalterlichen Quelle zufolge bereits um das Jahr 706 eine erste Kirche auf dem Festungsberg erbauen. Ab 732 erhielt dann der angelsächsische Missionar Bonifatius von Papst Gregor III den Auftrag, Germanien zu missionieren. 742 gründete Bonifatius das Bistum Würzburg und setzte den ersten Bischof Burkard (reg. 742-753/54) ein, der zu den engsten Mitarbeitern Bonifatius' gehörte. Bestätigt wurde die Bistumsgründung durch Papst Zacharias.

Zu jener Zeit entdeckte man vermutlich auch die Gebeine der drei Wandermönche Kilian, Kolonat und Totnan. Bischof Burkard erhob 743 die Gebeine, was damals einer Heiligsprechung gleichkam. Kilian wurde so zum Schutzheiligen des jungen Bistums. Die sterblichen Überreste der drei Märtyrer wurden zunächst in der Kirche auf dem Marienberg beigesetzt. Wundersame Lichterscheinungen veranlassten Burkard dann jedoch, eine Kirche an der Fundstelle auf der anderen Mainseite in Angriff zu nehmen.

Die Frage nach dem Standort des ersten Domes und damit auch der benachbarten Neumünster-Kirche hat bereits Heerscharen von Wissenschaftlern beschäftigt und ist äußerst umstritten. Neueren Forschungen zufolge begann Burkard um 750 mit dem Bau des ersten Domes am jetzigen Platz. Fertiggestellt wurde dieser erste Bau erst von Bischof Berowelf (768-800); Berowelf war es auch, der die Gebeine der Frankenapostel am Tag der Dom-Weihe am 8. Juli 788 in den Dom überführen ließ.

Bereits im achten Jahrhundert hatte Bischof Megingoz (reg. 753-768) am Platz des heutigen Neumünsters einen Memorialbau errichtet, der die Erinnerung an den Martyriumsort wach halten sollte. In jener Kirche wurden übrigens auch die ersten beiden Würzburger Bischöfe Burkard und Megingoz beigesetzt. Diese Kirche wurde dann zur Keimzelle für das Stift Neumünster, das Bischof Adalbero (reg. 1045-1090) um das Jahr 1060 gründete. Die ersten Chorherren kamen aus dem Würzburger Stift Sankt Stephan. Das neu gegründete Stift erhielt eine doppelstöckige romanische Pfeilerbasilika, die bis 1250 erneuert und im Osten erweitert wurde. Während anfangs noch vom „Stift St. Kilian im Neuen Münster" die Rede war, wurde der Weihetitel bereits Anfang des 12. Jahrhunderts auf den Evangelisten Johannes übertragen. Bis auf den heutigen Tag ruhen die Gebeine der der Missionare in der Kiliansgruft im Neumünster, während die Schädel der Heiligen im Dom aufbewahrt werden.

Eine bedeutende Rolle spielte das Neumünster bei der Überlieferung von mittelhochdeutschen und lateinischen Texten: Bereits im 13. Jahrhundert verfügte das Stift über eine eigene Bibliothek mit zahlreichen Klassikern; Heinrich der Poet und Michael de Leone waren Scholaster am Neumünster. Der berühmte mittelhochdeutsche Minnesänger Walther von der Vogelweide (+ um 1230) fand im Kreuzgarten (Lusamgärtchen) seine letzte Ruhestätte. Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche ausgemalt, und auch um das Jahr 1500 gab es Veränderungen. Zu Be-ginn des 17. Jahrhunderts erhielt die Kirche ein Gewölbe und wurde im Stil der Renaissance ausgemalt.

Die wohl tiefgreifendste Veränderung erfuhr das Neumünster im 18. Jahrhundert: 1711 ließ Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau (reg. 1699-1719) den Westchor abreißen und eine monumentale Kuppel errichten. Planung und Ausführung wurden Joseph Greising übertragen. Die eindrucksvolle, römisch inspirierte Westfassade ist das Ergebnis einer Kollektivplanung verschiedener Baumeister, unter ihnen waren neben Joseph Greising auch Bruder Kilian Stauffer, Balthasar Esterbauer und Jakob van der Auwera. Der Innenraum wurde maßgeblich von den Brüdern Dominikus und Johann Baptist Zimmermann, sowie Nikolaus Stuber und Johann Georg Winterstein gestaltet.

Nach der Säkularisation wurde das Stift aufgelöst, die Kirche zwischen 1809 und 1811 sowie 1814 als Militärdepot genutzt. Die Kiliansgruft indes blieb auch weiter das Ziel von Wallfahrern. 1908 wurde das Neumünster zu einer Tochterpfarrei des Doms und damit auch zur Pfarrkirche. Bei der Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 wurde das Neumünster zwar weniger stark getroffen als der benachbarte Dom, dennoch verbrannten große Teile der Ausstattung im Kuppelbereich, das nördliche Chorgestühl sowie zahlreiche Gemälde. Im Jahr 1948 wurde Bischof Matthias Ehrenfried in der Kiliansgruft beigesetzt. Bis zur Wiederweihe des Doms im Jahr 1967 diente das Neumünster als Konkathedrale des Bistums. Seitdem ist sie wieder Pfarrkirche. Von 1983 bis 1985 wurde die Westfassade restauriert. Schließlich wurde der Innenraum von 2007 bis 2009 restauriert und neu konzipiert.

Römischer Barock

Die spannungsgeladene, dynamische Westfassade wurde in den Jahren 1712 bis 1716 errichtet und wird von Experten den „besten Schöpfungen des deutschen Barock" zugerechnet. Der schematische Aufbau der Fassade erinnert nicht nur an römische Barockkirchen, sondern auch an barocke Altaraufbauten: Über einem hohen Sockel mit großzügiger zweiläufiger Treppe erheben sich zwei Geschosse. Im ersten Geschoss erinnern zwei Plastiken von Jakob van der Auwera an den Kirchenpatron Johannes der Evangelist (links) sowie Johannes der Täufer (rechts). Im zweiten Geschoss begegnen zentral ein Christus Salvator sowie die Heiligen Kili-an (Mitte links), Kolonat (links außen), Totnan (rechts außen) und der erste Bischof von Würzburg Burkard (Mitte rechts).

Vom Kiliansplatz aus zeigt sich das Neumünster als dreischiffige Basilika mit östlichem Querhaus und halbrunder Apsis. Im nördlich anschließenden Lusamgärtchen stehen seit 1953 wieder 16 Arkaden des alten Kreuzgangs. Auch eine Kiliansdarstellung aus der Zeit um 1150 befindet sich dort. Heute dient das stille Gärtchen vor allem dem Gedenken an den Minnesänger Walther von der Vogelweide; ursprünglich war das Lusamgärtchen das Herzstück des spätromanischen Kreuzgangs, der zugleich Begräbnisstätte des Neumünsterstiftes war. Das Grab Walthers wurde vermutlich im 18. Jahrhundert bei der Umgestaltung der Neumünsterkirche aufgehoben. 1930 wurde ein Gedenkstein in Form einer stilisierten Tumba mit der Inschrift „Her Walther von der Vogelweide, swer des vergaeze, der taet mir leide" errichtet. Die vier kreisrunden Vertiefungen an der Oberseite des Steins sind für Körner und Wasser vorgesehen. Der Legende nach soll Walther von der Vogelweide verfügt haben, dass an seinem Grab täglich die Vögel gefüttert werden sollen.

Der Innenraum des Gotteshauses wurde von 2007 bis 2009 umfassend renoviert und neukonzipiert. Federführend war Bau- und Kunstreferent Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, der das Ziel verfolgte, „den Eindruck des barocken Innenraums mit Hilfe zeitgenössischer Kunst wiederherzustellen". Dem Wunsch von Jürgen Lenssen entsprechend soll „das Gotteshaus der starken Verbundenheit im Bistum Würzburg mit dem heiligen Kilian und seinen Gefährten Rechnung tragen" und „vor allem ein Angebot für die Individualfrömmigkeit" sein.
Entstanden ist ein gelungenes Miteinander von Alt und Neu, das den Betrachter in den Bann zieht und nach den Worten von Bischof Hofmann das Lenssens „Lebenswerk" darstellt.

Schon im Eingangsbereich erwarten den Besucher zwei neue Kapellen: In der linken Kapelle hängt Michael Morgners (*1942) „Golgotha". Die riesige Kreuzigungsszene korrespondiert mit den Kreuzen an der Rückwand und mit einer Plastik des entkleideten Christus von Johann Peter Wagner aus dem 18. Jahrhundert. In der gegenüberliegende Kapelle entfaltet Ben Willikens' (*1939) raumgreifendes Altarbild eine enorme Faszination und Tiefenwirkung. Spannungsreich eingebunden ist eine spätgotische Sitzfigur des heiligen Wolfgang aus dem Spessart.

Nach dem Durchschreiten der Glastür erwartet den Besucher ein überwältigendes Raumgefühl: Man betritt einen großzügigen, hellen und strahlenden Kirchenraum, der die Blicke magisch nach vorne in das Zentrum der Kirche, den Altarraum, zieht. Zunächst steht der Besucher im Kuppelraum. In den vier Nischen begegnen auf Augenhöhe große Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten: Vorne links das Schmerzensmannkreuz aus der Zeit um 1350. Vorne rechts eine Madonna mit Kind von Tilman Riemenschneider aus dem Jahr 1493. In den beiden rückwärtigen Nischen zur Kiliansgruft hängen die spätgotischen Steinplastiken der drei Frankenapostel vom Scherenbergtor der Festung Marienberg sowie eine italienische Figur eines segnenden Papstes aus dem 14. Jahrhundert als ein Hinweis auf Papst Zacharias, unter dem die Diözese gegründet wurde. Mit den alten Werken korrespondieren vier zeitgenössische Gemälde von Markus Fräger. Bereits im 18. Jahrhundert wurden über den Apsiden vier profilierte Stuckrahmen angelegt, die mit Darstellungen der Propheten Jeremia, Daniel, Ezechiel und Jesaja gefüllt werden sollten. Mit dieser Aufgabe wurde nun der Künstler Markus Fräger beauftragt, dessen malerisches Spiel von Licht und Schatten an barocke Techniken erinnert und zugleich visionär wirkt. Über allem erstrahlt das imposante Kuppelfresko von Nikolaus Stuber, das in konzentrischen Kreisen einen Heiligenhimmel mit fränkischen Heiligen und Seligen darstellt. Außerdem haben im Kuppelraum zwei ehemalige Domaltäre aus dem Jahr 1793 eine neue Heimat gefunden, die bisher im Depot der Diözese geschlummert haben: Die beiden klassizistischen Altäre, die von Adam Salentin Fischer entworfen und von Johann Peter Wagner ausgeführt wurden, bergen Gemälde vom „Martyrium der Frankenapostel" und Der „Enthauptung Johannes des Täufers" von Oswald Onghers (1659).

Vom Kuppelraum gelangt der Besucher in das reich stuckierte Langhaus, das Johann Georg Möhrlein um 1720 stuckierte. Der Weg nach vorne wird jetzt durch wichtige liturgische Ausstattungselemente gegliedert: So führen Bibelpult (Dr. Jürgen Lenssen), Osterkerzenleuchter (Herbert Mehler) und Taufstein (Dr. Jürgen Lenssen) geradewegs auf das Zentrum des Raumes zu – den Altar im Chorraum. Bereits die barocke Konzeption verfolgte das Ziel, den Blick des Gläubigen auf die Apsis zu lenken. Die soghafte Raumwirkung wurde noch verstärkt durch acht Gemälde über den Mittelschiffarkaden. Ursprünglich enthielten die barocken Stuckrahmen Passionsbilder von Johann Baptist Zimmermann, die jedoch 1945 bis auf zwei zerstört wurden. Mit der Neugestaltung wurde deshalb der Künstler Thomas Lange beauftragt, der acht Gemälde mit Schlüsselszenen aus dem Leben Jesu aus dem Johannes-Evangelium geschaffen hat. Langes Ziel waren „moderne Werke, die das Alte respektieren". Neben der jeweiligen Bibelszene wollen die Gemälde aber vor allem einen übergeordneten Glaubensinhalt vermitteln.

Viel Zeit nehmen sollte man sich auch für die reiche Ausmalung der Deckengewölbe: Die Fresken verschiedener Meister zeigen unter anderem die Erschaffung Adams, die Auferstehung und Himmelfahrt Christi und die Auferweckung des Lazarus. Im Chorbogen selbst hat das Echthaarkruzifix aus der Zeit um 1470 wieder seinen Platz gefunden und fokussiert so einmal mehr das Zentrum des Gotteshauses.

Der eigentliche Altarraum wurde ebenfalls vom Bau- und Kunstreferenten der Diözese Würzburg neu gestaltet und mit Altar, Ambo, Standkreuz, Sedilien, Altarkreuz, Leuchter, Konsolen und Bänken ausgestattet. Dahinter thronen eindrucksvoll die Büsten der drei Frankenapostel, die Heinz Schiestl 1910 nach Riemenschneider-Originalen kopiert hat. Die Originale wurden 1945 zerstört. Die Darstellungen der drei Glaubenszeugen lenken den Blick weiter hinauf in die Apsis, wo der imposante Hochchor (1778) von Johann Georg Winterstein steht. Das Altarblatt zeigt den Kirchenpatron in visionärer Schau auf der Insel Patmos, darüber schwebt beherrschend die apokalyptische Frau, die vor allem in den Morgenstunden durch eine raffinierte Führung des Sonnenlichts mystisch von hinten beleuchtet wird. Am höchsten Punkt, im Deckenfresko, ist schließlich die Anbetung des Lammes zu sehen.

Die Wände der beiden Seitenschiffe schmücken seit der jüngsten Renovierung fünf Gemälde der „Sieben Fälle Jesu" und ein Ölberg aus dem Kapuzinerkloster Kitzingen (um 1650). Zu den Bronze-Epitaphien und Grabmälern aus verschiedenen Jahrhunderten gesellen sich Denkmale für weitere Glaubenszeugen aus dem Bistum: An der nördlichen Seitenschiff-Rückwand (links) trägt ein stilisierter Lebensbaum (Lothar Forster 1988) einen Schrein mit Heiligenreliquien sowie zwei fränkische Plastiken der Heiligen Burkard und Bonifatius. Das südliche Pendant (rechts) ist dem Andenken von Bischof Adalbero gewidmet: Die Plastik stammt von Ernst Singer (1990), das Epitaph von Peter Lorenz Emmert (1990), der Adalbero-Schrein von Dr. Jürgen Lenssen.

Die beiden Seitenaltäre hinter dem Chorgestühl thematisieren die Gottesmutter Maria (rechts) und die Apostel (links). Der thronenden Madonna aus der Zeit um 1470/80 steht eine Augsburger Silbermadonna gegenüber, die 1701 von einem Kanoniker gestiftet wurde. Großflächige, zeitgenössische Werke von Hann Trier an den Chorgestühl-Rückwänden sorgen für die nötige Spannung und leiten gekonnt zu den barocken Deckengemälden über.

Würzburger Neumünster im Bild

Kreuzkrypta - Das Leben im Tod

Schreitet der Besucher die Stufen zur Kreuz- oder Johanneskrypta unter dem Chor hinunter, wird sein Blick sofort von einem ungeheuer fesselnden Ensemble auf dem Treppenabsatz gefangen genommen: Hier hängt über einem steinernen Grabchristus von 1700 das Gemälde „Gekreuzigter" von Jacques Gassmann. Während der Grabchristus statisch, leidend, ja endgültig wirkt, erscheint Gassmanns Gekreuzigter faszinierend dynamisch, schwebend und lässt so das Leben im Tod aufstrahlen.

Die Krypta selbst kann seit der Renovierung nur noch durch die von Klaus Zaschka entworfene Glaswand besichtigt werden. Damit ist der meditativ wirkende Raum wieder zu einem Ort der Verehrung des Allerheiligsten und des privaten Gebets geworden. Teile der Gruft stammen noch vom ursprünglichen Gründungsbau; neu sind hingegen die zwölf Stelen mit den Apostelnamen, die den Raum rhythmisieren und zugleich auf den Altar hinweisen, der sich ganz der Monstranz unterordnet. Auf der linken Seite begegnet eine Anna Selbdritt aus dem Jahre 1417, rechts eine barocke Pietà.

Kiliansgruft - Ort des Martyriums

In der Kiliansgruft befindet sich der Besucher und Pilger am eigentlichen Ort des Martyriums der Frankenapostel. Hier sollen die drei irischen Missionare ermordet und ihre Gebeine verscharrt worden sein. Die Gruft ist barocken Ursprungs und erinnert an die Raumform der Kuppel. Im Zentrum der mystisch wirkenden Krypta steht auf einem Kastenaltar aus der Zeit um 1250 der Kiliansschrein, der 1987 von Heinrich Gerhard Bücker aus Bronze gefertigt wurde. Szenen aus dem Leben Jesu stehen hier Szenen aus dem Leben der Glaubenszeugen gegenüber.

An der Ostwand der Krypta steht der Kilianssarg aus dem achten Jahrhundert, der nach der Erhebung die Gebeine Kilians barg. Mit dem Sarkophag in lebhafter Korrespondenz steht das Gemälde „Triumphator" von Michael Triegel aus dem Jahre 1993, das trotz aller Modernität an die alte italienische Schule erinnert und weitere (Glaubens-)Räume eröffnet. In direkter Nachbarschaft steht der Sarg des zweiten Würzburger Bischofs Megingaud (+794). In der Krypta befinden sich außerdem die Gräber von Bischof Matthias Ehrenfried (+1948), Weihbischof Karl Ebert (+1974) sowie die Urne des Märtyrerpriesters Georg Häfner (+1942), dessen Seligsprechung in Kürze erwartet wird.

Erwähnenswert sind schließlich auch der barock eingefasste Kiliansbrunnen, dessen Wasser früher heilende Kräfte zugeschrieben wurde, sowie der 2009 von Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen geschaffene zwölftürmige Radleuchter, der dem Raum Glanz und Größe verleiht.

Mit der Säkularisation und dem Ende des Hochstifts Würzburg im Jahre 1803 geriet der Landespatron, der ja nun keine Berechtigung im ursprünglichen Sinne mehr hatte, in Vergessenheit. Die Reliquien lagerten in einfachen Holzkisten in der Ornatkammer des Domes. Erst 1849 wurden die wieder aufgefunden und am 8. Juli 1850 in einer feierlichen Prozession mitgeführt. Seit dem Wiederaufleben der Kiliansverehrung im 19. Jahrhundert steht vor allem die Missionstätigkeit der drei Märtyrer im Zentrum: Sie gelten seither als wichtige Künder der Frohbotschaft und Blutzeugen des Christentums in Franken.

Bischof Matthias Ehrenfried verlieh der Kiliansoktav ihre heutige Form. Seit 1935 pilgern Christen aus den einzelnen Dekanaten an verschiedenen Wochentagen nach Würzburg. Wäh-rend des zweiten Weltkriegs wurden die Reliquien nach Gerolzhofen ausgelagert, von wo sie 1949 in feierlicher Fuß-Prozession zurückkehrten. Einer alten Tradition folgend werden die Gebeine von Kilian, Kolonat und Totnan in der Kiliansgruft im Neumünster aufbewahrt, während die Schädel der drei Heiligen im Dom verehrt werden. Zum Auftakt der jährlichen Kiliani-Oktav werden am Vorabend des ersten Festsonntags die Schädel in feierlicher Prozession durch die Stadt getragen und in einem Bergkristall-Schrein den Gläubigen zur Verehrung gezeigt; neuerdings führt der Weg von der Pfarrkirche Sankt Burkard über die Alte Mainbrücke zum Dom. Während der gesamten Wallfahrtswoche finden dann Pontifikalgottesdienste für sämtliche Dekanate im Bistum oder für einzelne Alters- und Interessengruppen statt, wie Kindergartenkinder, Jugendliche, Ehrenamtliche, Kranke, Priester und Ordensleute, Ehejubilare, Arbeitnehmer oder Lehrkräfte. Rund 17000 Menschen pilgern alljährlich rund um den 8. Juli nach Würzburg. Den traditionellen Abschluss bildet der Internationale Familiensonntag.

Darüber hinaus ist das Würzburger Neumünster Ausgangs- und Zielpunkt der alljährlichen Kreuzbergwallfahrt der Würzburger Kreuzbruderschaft im August sowie Pfarrkirche für die Gottesdienste der Pfarrei Dom/Neumünster.

Schmerzensmann und Madonna

Neben den Frankenaposteln fand im Neumünster auch das so genannte Schmerzensmannkreuz Verehrung. Die Holzplastik zeigt einen gekreuzigten Christus, der die Arme vom Querbalken genommen hat und sie wie zur Umarmung vor der Brust kreuzt. Die Darstellung, die um 1350 entstanden ist, wurde vermutlich durch ein mystisches Erlebnis des Bernhard von Clairvaux angeregt, der während des Gebetes vor einem Kruzifix vom Gekreuzigten umarmt wurde. In Würzburg kursiert indes auch eine volkstümliche Erklärung für die eher seltene Gestik des Schmerzensmannes: So soll eines Nachts ein Dieb versucht haben, die goldene Krone des Gekreuzigten zu stehlen. Als der Dieb zugriff, löste die Figur die Arme vom Kreuzbalken und umschlang den Übeltäter. Erst die Küster konnten ihn am nächsten Morgen aus der zupackenden Umarmung befreien.

Es verwundert kaum, dass das Bildmotiv auch einen eigenen Votivkult nach sich zog: Vor allem zum Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts stifteten zahlreiche Gläubige Votivgaben und Geldopfer, von denen 1610 eine Freitagsmesse, ab 1614 eine zusätzliche Mittwochsmesse und ab 1616 sogar eine tägliche Messe gestiftet wurde. Ablässe aus den Jahren 1620 und 1642 kurbelten das Wallfahrtsgeschehen weiter an; um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde sogar eine „Todesangst-Christi-Bruderschaft" gegründet, die dann mit der Kreuzbruderschaft der Jesuiten verschmolz.

Ein ähnlicher Kult entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch um die spätgotische Madonnen-Figur im rechten Seitenchor. Die thronende Muttergottes mit Kind (1470/1480) wurde zum marianischen Anziehungspunkt in der Neumünster-Kirche. Da man die intensive Verehrung des als wundertätig geltenden Bildnisses nicht gerne sah, wurden etliche Votive abgehängt und die Figur im Seitenchor untergebracht. Dennoch zeugen auch heute noch viele brennende Kerzen von der ungebrochenen Verehrung der Marienfigur.

Eine Stunde Zeit für Gott

Bischof Julius Döpfner rief nach dem Zweiten Weltkrieg die tägliche eucharistische Anbetung in der Kreuzkrypta ins Leben. Döpfner wollte „ein geistliches Zentrum für das Gebet" schaffen; er vertraute dieses Anliegen den Schwestern des Erlösers an, die für die

Nach der Renovierung des Neumünsters eröffnete Bischof Dr. Friedhelm Hofmann im Juni 2009 die eucharistische Anbetung in der Kreuzkrypta wieder neu. Es ist dem Bischof ein großes Anliegen, auch heute möglichst vielen Menschen die tägliche eucharistische Anbetung zu ermöglichen. Das Neumünster im Herzen der Stadt erscheint hierfür besonders geeignet – könne man doch hier die Menschen im Sinne einer Citypastoral „in der Stadt abholen und in die Tiefe führen".

Auch heute tragen die Schwestern des Erlösers zusammen mit anderen Ordensgemeinschaften und engagierten Laien die eucharistische Anbetung. Neue Anbeterinnen und Anbeter, die sich regelmäßig verpflichten, eine Stunde in der Woche oder im Monat die eucharistische Anbetung im Neumünster mitzutragen, sind herzlich willkommen.