Auf einer kleinen Insel des Flüsschens Elsava, auf halbem Weg zwischen den beiden Spessartdörfern Schippach (Elsenfeld) und Eschau liegt das ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster Himmelthal. Klösterlich genutzt wird die weitläufige Anlage zwar schon lange nicht mehr: Seit 1818 gehört das Gelände dem „Gymnasiumsfonds“ des Stiftungsamts Aschaffenburg, der dort seit 1974 eine Berufsbildungsstätte und eine Förderschule betreibt. Dennoch ist vor allem die barocke Klosterkirche St. Sebastian, St. Anna und St. Nikolaus durchaus einen Besuch wert. Die schmucke Kirche wurde einst von Jesuiten erbaut und ist heute ein beliebter Ort für Hochzeiten und Taufen .

Es gibt keine regelmäßigen Gottesdienste.
Pfarrbüro Christkönig
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Vom Frauenkloster zur Bildungsstätte
1232 stifteten Graf Ludwig II. von Rieneck und seine Frau Adelheid von Henneberg einen Teil ihres Landgutes „Wolberg“ und gründeten das Zisterzienserinnenkloster Himmelthal. Mehr als 350 Jahre lang traten niederadelige Frauen aus der Umgebung in das auf einer schmalen Insel der Elsava gelegene Kloster ein. Sie lebten dort in gewollter Abgeschiedenheit nach den Ordensregeln des heiligen Bernhard von Clairvaux (1091-1153) und erwirtschafteten ihren Lebensunterhalt selbst.
Doch dann bescherte das von Pest und Krieg geprägte 16. Jahrhundert auch dem Kloster Himmelthal den Niedergang. Nach dem Tod der letzten Äbtissin Anna Geipel von Schöllkrippen im Jahre 1601 – an sie erinnert eine Inschrifttafel im westlichen Tor – ging die Anlage an das Erzbistum Mainz. Der Mainzer Erzbischof verwandelte das Kloster in einen Wirtschaftshof und übergab diesen im Zuge der Gegenreformation 1625 an die Jesuiten. Diese erweiterten die Anlage im 18. Jahrhundert um eine Ziegelei, eine Säge- und Mahlmühle. 1753 beauftragten sie Johann Martin Schmitt, auf den Fundamenten der zerstörten gotischen Vorgängerkirche einen spätbarocken Kirchenneubau zu errichten, der 1766 geweiht wurde.
Das jähe Ende der Jesuiten in Himmelthal kam 1773, als Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden auflöste. Das Gut fiel an das Erzstift Mainz zurück, die Einnahmen aus dem Wirtschaftshof kamen zunächst der Aschaffenburger Universität zugute. Seit 1818 ist der „Gymnasiumsfonds“ des Stiftungsamtes Aschaffenburg Eigentümer der Anlage. Ab 1970 wurde das landwirtschaftliche Gut zu einer Berufsbildungsstätte mit Internat umgebaut, seit 1994 befindet sich dort auch die Elsava-Schule, eine Förderschule zur Erziehungshilfe mit heilpädagogischer Tagesstätte.




Wallfahrtskirche Himmelthal im Bild








Im Jesuitenbarock
Die heutige Kirche ist ein Saalbau mit rechteckigem Langchor im Stil des Jesuitenbarock. Lediglich in der Sakristei südlich des Chores finden sich noch Reste der Vorgängerkirche. Die reich geschmückten Altäre und die Kanzel stammen von Schreinermeister Johann Georg Dechant. Den Hochaltar, in dessen Zentrum die „Himmelfahrt Mariens“ von Anton Mathiowitz steht, zieren Figuren des Hl. Sebastian (Mitte) und der Ordensheiligen Stanislaus Kostka, Ignatius von Loyola, Franz Borgias, Aloisius von Gonzaga, Franz Xaver und Johannes Berchmans. In der Altarmensa ruht eine Skulptur des hl. Franz Xaver mit Kreuz und Wanderstab.
Der linke Seitenaltar, der so genannte „Todesangstaltar“, zeigt Maria und den Evangelisten Johannes unter dem Kreuz Christi. Der Sebastians-Altar auf der rechten Seite ist dem Patron der Kirche gewidmet und enthält eine wertvoll gefasste Reliquie des Heiligen.
Die Decken- und Wandfresken stammen von Anton Mathiowitz (Wetzlar) und Gesellen: Wichtige Szenen sind unter anderem die Hinrichtung des hl. Sebastian in einem römischen Feldlager mit dem Kloster und seinen ausgedehnten Anlagen im Hintergrund, der Kirchenpatron als Retter in der Pest und der Heilige vor seinem Richter.
Aus älterer Zeit stammen die farbig gefassten spätgotischen Holzskulpturen des hl. Nikolaus (links) und der hl. Anna Selbdritt (rechts). Eindrucksvoll ist auch die lebensgroße Figur des hl. Sebastian unter der Orgelempore, die an den Kirchenpatron erinnert.
Himmelthal heute
Seit 1974 unterhält der Gymnasiumsfonds des Stiftungsamts Aschaffenburg in Himmelthal eine Berufsbildungsstätte (BBS). Der Schwerpunkt der berufsbildenden pädagogischen Arbeit liegt in der ganzheitlichen Förderung und Qualifizierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit besonderem Förderbedarf. Auf dem Gelände der ehemaligen Klosteranlage befinden sich Ausbildungswerkstätten, Unterrichtsräume und ein Wohnbereich. Im Auftrag des Arbeitsamtes werden hier berufsvorbereitende Lehrgänge und Fachpraktiker-Ausbildungen durchgeführt mit dem Ziel, die Jugendlichen dauerhaft ins Berufs- und Arbeitsleben zu integrieren. Darüber hinaus betreibt der Gymnasiumsfonds in Himmelthal die Elsava-Schule zur Erziehungshilfe mit integrierter heilpädagogischer Tagesstätte.
Kirchlich gehört die Kirche in Himmelthal zur Pfarreiengemeinschaft „Christus Salvator“ (Elsenfeld). Feste Wallfahrtstage sind der Tag des Hl. Sebastian (20. Januar) und das Fest Kreuzerhöhung (14. September). Bis vor einigen Jahren zogen Wallfahrtsgruppen aus den umliegenden Gemeinden nach Himmelthal, heute findet an diesen Tagen ein festlicher Gottesdienst statt. Darüber hinaus ist die barocke Kirche ein beliebter Ort für Hochzeiten und Taufen.
Seit vielen Jahren veranstaltet der Gymnasiumsfonds des Stiftungsamts Aschaffenburg in der Klosterkirche die „Himmelthaler Sommerkonzerte“. Außerdem schenkt der Weinbauverein Rück e.V. einmal im Monat in der Klosterstube selbst ausgebaute Weine aus (Termine im Weinkalender Churfranken). Nach Voranmeldung beim Weinbauverein (Tel. 0 60 22 / 58 50) sind auch private Weinproben möglich, Ende Juli / Anfang August findet ein Weinfest in Himmelthal statt. (Informationen im Internet unter www.himmelthal.de)
Von Pfeilen durchbohrt – Der hl. Sebastian
Der Legende nach diente der Mailänder Soldat Sebastian unter dem römischen Kaiser Diokletian als Hauptmann der Prätorianergarde. Zunächst versuchte der überzeugte Christ seinen Glauben zu verheimlichen, dank seiner Stellung konnte er jedoch inhaftierten Glaubensbrüdern im Gefängnis beistehen. Außerdem soll er der Überlieferung nach viele Römer getauft, christliche Märtyrer bestattet und Wunder gewirkt haben. Als der römische Kaiser von Sebastians heimlichem Wirken erfuhr, befahl er, diesen an einen Baum zu binden und mit Pfeilschüssen zu töten. Die Schützen hielten Sebastian für tot und ließen ihn blutüberströmt an der Richtstätte liegen; doch die Witwe eines Palastbeamten rettete und pflegte ihn. Als er sich von seiner Marter erholt hatte, trat der Totgeglaubte dem Kaiser gegenüber und forderte ihn auf, die grausamen Christenverfolgungen einzustellen. Die Antwort Diokletians war brutal: Er ließ Sebastian zu Tode peitschen und seinen Leichnam in einen Abwasserkanal werfen. Eine Christin, der der Märtyrer im Traum erschienen war, barg den Leichnam und bestattete ihn an der Via Appia.
Anja Legge