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Gnadenort und Kunstwallfahrt

Ein malerischer Wallfahrtsweg führt durch Weingärten und Rebhänge auf die Kuppe des Volkacher Kirchbergs. Dort steht vor den Toren der alten Weinstadt Volkach und in exponierter Lage über dem Main die spätgotische Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten" mit ihrer hand-geschnitzten Pietà aus der Zeit um 1370. Und auch Kunstinteressierte reisen in Scharen auf den Volkacher Kirchberg, ihr Ziel ist allerdiings nicht das Mareinbild, sonderm Tilman Riemenschneiders berühmte „Maria im Rosenkranz".

Im Jahr 2002 wurde der Innenraum der Wallfahrtskirche unter Federführung von Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen neu gestaltet. Das auf Ruhe abzielende Gestaltungsprinzip will die alten Kunstwerke wieder stärker herausstellen, miteinander in Beziehung setzen und so den Kirchenraum wieder als Ort der Stille und Andacht erleben lassen.

Die Kirche ist tagsüber geöffnet.

Es finden keine regelmäßigen Gottesdienste statt.

Pfarramt Volkach
Pfarrhof 1
97332 Volkach

Telefon: 09381 / 2476
Fax: 09381 / 4395

E-mail: pfarrei.volkach@bistum-wuerzburg.de

Homepage: https://www.sankt-benedikt.org/gemeinden/pfarrei-volkach/kirchberg/ sowie www.sankt-benedikt.org

Führungen: 

Tourist-Information Volkacher Mainschleife
Rathaus
97332 Volkach
Tel.: 09381/40112
Fax: 09381/40116
E-Mail: tourismus@volkach.de

Erste Pfarrkirche Volkachs

Bis weit in das Mittelalter reicht die Geschichte von „Maria im Weingarten" zurück. Bereits im 10. und 11. Jahrhundert befand sich an der Stelle des heutigen Gotteshauses eine dem Apostel Bartholomäus geweihte Kirche. Sie war zugleich die Urpfarrkirche Volkachs und der Siedlungen an der Mainschleife. Von den einst dort stehenden Häusern der Vikare und Kirchner sind nur die Gebäude beidseits des Tores erhalten. Als sich Volkach im 13. Jahrhundert zur Stadt entwickelte, verlegte man die Gottesdienste in die Tochterkirche im Tal, die bald auch das Bartholomäus-Patrozinium übernahm.

1332 siedelten sich Beginen auf dem Kirchberg an.Um 1370 entstand das Volkacher Gnadenbild. Nach Aufhebung der Beginenklause im Jahre 1422 übernahm eine Marienbruderschaft, der auch der Würzburger Bischof Gottfried Schenk von Limpurg (1444-55) angehörte, die Pflege der Wallfahrt. Die große Spenden- und Opferbereitschaft unter Adligen und Bürgern ermöglichte bald einen Kirchenneubau, der im Wesentlichen unter Bischof Rudolf von Scherenberg (1466-95) ausgeführt wurde. Ein letzter Rest der abgetragenen Vorgängerkirche befindet sich im nicht ausgebauten Turm zwischen Chor und Langhaus: Der heute als Sakristei genutzte Raum bildete einst den Altarraum der Chorturmkirche.

Zunächst entstand der Chor, der 1451 geweiht wurde. 1457 folgte das Langhaus, das reichhaltig mit Kunstwerken ausgestattet wurde: Dazu gehören unter anderem ein Wandfresko des hl. Christophorus, farbenprächtige Chorfenster, ein spätgotisches Kruzifix und eine Holzplastik der Anna Selbdritt aus der Riemenschneider-Schule. Kurz vor Vollendung der Kirche gab man 1521 bei Tilman Riemenschneider die „Madonna im Rosenkranz" in Auftrag. 1524 fertiggestellt, bildet sie eine der letzten Arbeiten Riemenschneiders.

Die ursprünglich gotische Einrichtung musste ab 1664 einer barocken Ausstattung weichen, 1750 wurde der barocke Dachreiter über dem Chor errichtet. Ab 1880 wurden die barocken Elemente durch eine neugotische Ausstattung ersetzt, die wiederum 1955 völlig entfernt wurde. Nach umfassender Außenrestaurierung in den Jahren 1976/77 folgte schließlich 2002 eine Neugestaltung des Innenraumes unter Federführung von Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, der den Raum wieder als Ort der Stille und Andacht erleben lassen will.

Schöne Madonna

Die spätgotische Pietà aus der Zeit um 1370 ist der eigentliche Ursprung der Volkacher Wallfahrt. Die Holzplastik gilt als frühes Beispiel der „Schönen Vesperbilder", die „den Ausdruck des Schmerzes in stilles Leid wandeln". Sie zeigt eine aufrecht sitzende, jugendliche Maria, die anmutig die Hände ringt, während Christus blutüberströmt und todesstarr auf ihrem Schoss liegt.

Ziel von Kunstwallfahrern

Berühmtheit hat die Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten" vor allem wegen der „Maria im Rosenkranz" von Tilman Riemenschneiders erlangt. Für viele ist das imposante Schnitzwerk zum eigentlichen Anziehungspunkt geworden und hat gar die Position des alten Gnadenbildes eingenommen.

Riemenschneiders Meisterwerk hängt heute im Chorbogen. Die lebensgroße Marienfigur mit dem Jesuskind auf dem Arm steht auf einem Wolkensockel und der Mondsichel. Umgeben ist das Bildnis vom Strahlenkranz der Sonne sowie 50 stilisierten Rosen und Medaillons mit den Geheimnissen des freudenreichen Rosenkranzes. Drei Engelpaare flankieren die Figur, von denen das oberste einst eine Krone über die Gottesmutter hielt.

1521 in Auftrag gegeben und 1524 vollendet, bildet die Rosenkranz-Madonna eine der letzten Marienarbeiten Riemenschneiders vor seiner tragischen Verstrickung in den Bauernkrieg. 1642 wurde das Rosenkranzbild zum Auslöser für die Gründung einer Rosenkranzbruderschaft. Im Barock farbig gefasst, wurde es 1955 von seinen Übermalungen befreit und über dem rechten Seitenaltar aufgehängt, bis sein dreister Raub im Jahr 1962 Schlagzeilen auf der ganzen Welt machte. Verlockt durch ein Lösegeld von 100.000 DM, das Stern-Chefredakteur Henri Nannen in einer großangelegten Pressekampagne geboten hatte, gaben die Diebe ihre Beute zurück.

Zur Ehre unserer Lieben Frau

Wann die Wallfahrt auf den Volkacher Kirchberg begann, ist nicht bekannt. Mit Sicherheit trug jedoch die Gründung einer Marienbruderschaft im Jahr 1422 zum Erstarken der Wallfahrt zur Maria im Weingarten bei. Der erste urkundliche Beleg stammt aus dem Jahr 1501. Hier ist erstmals die Rede von einer frommen Wallfahrt andächtiger Christen „zum Lobe Gottes ... und zur Ehre Unseren Lieben Frau".

Hundert Jahre später, im Jahr 1612, wird laut Wolfgang Brückner und Wolfgang Schneider  von „großer Andacht und Wallfahrt vieler frommer Menschen" berichtet. Meist unternahmen die Einheimischen Viehwallfahrten und Umritte zum Schutz vor Unwetter und Viehseuchen. Zugleich pflegte der Ort zeitweise eine enge Verbindung zum Kloster Heidenfeld, „einem fränkischen Zentrum der Laurentius-Verehrung". Die Wallfahrt mag so „mehr von einer Laurentius-Verehrung als vom marianischen Motiv getragen worden sein."

Erst ab der Mitte des 17. Jahrhundert rückte der marianische Charakter des Ortes wieder in den Vordergrund: Beträchtlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte die Gründung einer Rosenkranzbruderschaft im Jahr 1642. Im 19. Jahrhundert schließlich löste das Fest Mariä Schmerzen endgültig den Laurentiustag als Hauptfest ab.

Kein Museum

Neben vielen Kunstliebhabern und Touristen melden sich auch noch einige Pilgergruppen an. Hinzu kommen Bittgänge aus umliegenden Dörfern sowie viele Einzelbesucher.

Durch die Neugestaltung des Kirchenraums im Jahr 2002 wollte Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen „jedem Eindruck eines musealen Raumes wehren": „Ich wollte die Kirche wieder zu einem Sakralraum machen und den Menschen an der Mainschleife das wiedergeben, was sie selbst empfinden, nämlich einen Raum des Gebetes und der liturgischen Feier".

Ein Anliegen Lenssens war es, die im Schatten der Chorwände hängende Rosenkranzmadonna wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Heute hängt diese deshalb wieder frei im Raum und erhält so wieder das Streiflicht, wie es schon 1524 vorgesehen war.

Wichtig war es Lenssen auch, „die alte Wallfahrtsmadonna wieder herauszustellen". Zu lange sei die Pietà gar nicht mehr als Wallfahrtsbild wahrgenommen worden. Durch die Umplatzierung und Einbindung in neue Rahmenaufbauten steht das Vesperbild jetzt in einem lebendigen Dialog mit der Figur der Anna Selbdritt.

Das Altarbild stammt von Dr. Jürgen Lenssen. Durch seine verhaltene Farbigkeit und den durchscheinenden Charakter nimmt es sich bewusst zurück und verweist auf den auferstandenen und verklärten Christus. Es möchte „in Erinnerung rufen, dass Christus entdeckt werden möchte und Maria in diesem Lebensprozess hilfreiche Begleiterin ist". Nicht zuletzt aus diesem Grund lenke die über dem Altar hängende Rosenkranzmadonna den Blick des Betrachters auf „Jesus als Zentrum": „Maria als Vorbild der Frömmigkeit nimmt sich zurück, um dem Herrn, ihrem Sohn den Vortritt zu lassen."

Anja Legge