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Vom bösen Wolf und grenzenlosem Gottvertrauen

Ein Wolfswunder soll der Dimbacher Madonna zu Bekanntheit verholfen haben: - und zugleich den ungewöhnlichen Sitz des Jesuskindes auf dem rechten Arm der Madonna erklären. Aus welchen Gründen auch immer blühte die Wallfahrtstradition nach Dimbach im 17. Jahrhundert kräftig auf. Wesentlichen Anteil an der Wallfahrt in das kleine fränkische Klosterdorf, das knapp 500 Jahre lang zur Abtei Münsterschwarzach gehörte, hatte die 1661 gegründete Rosenkranzbruderschaft, die der Kirche vermutlich ihren Namen „Maria de Rosario" einbrachte.

Heute hat Dimbach seine Bedeutung als als Wallfahrtsort größtenteils verloren. Vor allem Einheimische und Gläubige aus den umliegenden Dörfern fühlen sich dem kleinen Ort verbunden. Dennoch ist das mächtige Dorfgotteshaus eine Reise wert: Neben der in ihrer Art einzigartigen Madonna mit dem Kinde lockt auch die prächtige Barockausstattung.

Werktags ist nur die Vorhalle der Kirche geöffnet (Glastür zum Schiff geschlossen).

Hier finden Sie die aktuelle Gottesdienstordnung.

Wallfahrtskirche Maria im Rosenkranz, Dimbach
Katholisches Pfarramt Schwarzach
Kirchgasse 9-11
97359 Schwarzach

Telefon: 09324 / 9818-0
E-mail: pfarrei.stadtschwarzach@bistum-wuerzburg.de

Wolfswunder beim Klosterdorf

„Anno 1312 – Eine arme Frau sammelte am Waldrand Holz, ihr Kind legte sie ins Gras. Plötzlich hörte sie es schreien. Ein Wolf trug den Knaben davon. Da lief die Mutter in die Kapelle, riss der Madonna das Kind vom linken Arme und schrie: „Willst Du Dein Kind, so gib mir erst meines wieder!" Als sie in den Wald zurückkam, legte der Wolf den Knaben unverletzt ab. Dankbar brachte die Mutter das Jesuskind zurück in die Kirche, erregt setzte sie es aber auf den falschen Arm der Madonna. Seit dem Wunder pilgerten Wallfahrer nach Dimbach."

Mit diesen Worten erzählt ein von dem Bildhauer Norbert Kleinlein gestalteter Gedenkstein am Haupteingang der Wallfahrtskirche „Maria de Rosario" die Ursprungslegende von der Wallfahrt nach Dimbach und begründet gleichzeitig den ungewöhnlichen Sitz des Jesuskindes auf dem rechten Arm der Madonna statt dem linken.

Die heutige dreischiffige Pfeilerbasilika geht auf einen romanischen Vorgängerbau von etwa 7 mal 10 Meter Größe zurück. Abt Trithemius nennt das Jahr 1020 als Beginn der Wallfahrt. Im Jahre 1306 erwarb Abt Siegfried von Münsterschwarzach Vogteirechte über verschiedene Dörfer im Umland, darunter auch Dimbach, das fortan als Klosterdorf zur Abtei gehörte. 1325 begannen die Mönche von Münsterschwarzach mit dem gotischen Ausbau der Dimbacher Kirche, der mit einer urkundlich bezeugten Weihe 1334 zu Ende ging. Zunächst entstand vermutlich der Westturm als ältester Teil der Kirche. Der von Kapelle und Sakristei flankierte Chor, Langhaus und Westempore folgten im 14. Jahrhundert. Zwischen 1334 und 1493 war Dimbach Propstei und diente als Alterssitz der Äbte wie auch als „Ventil der Abtei" zur Abschiebung missliebiger Konventualen.

Die Wolfslegende tauchte 1686 urplötzlich in einer Chronik des Münsterschwarzacher Paters Leopold Wohlgemuth auf, der – wohl vor dem Hintergrund zahlreicher Wolfsplagen im ganzen Land – von einem Wolfsmirakel aus dem Jahre 1313 berichtet. Der Chronist Pater Ignatius Gropp, verlegte 1744 das Mirakel in das Jahr 1312 und fügte eine Legende des Bischofs Andreas von Gundelfingen hinzu, der 1313 zur Abwendung einer Hungersnot mit bloßen Füßen nach Dimbach gelaufen sei und wunderbare Erntehilfe erhalten habe. Chronist Gropp war es auch, der – angeregt durch den ungewöhnlichen Sitz des Jesuskindes sowie einen alten Bildstock in der Nähe der Kirche – das Motiv von der Vertauschung des Jesuskindes in die Wolfslegende einflocht. Auf diese Weise wurde Pilgern und Marienverehrern eine gleichermaßen wunderbare wie glaubhafte Verknüpfung des Wolfsmirakels mit der in ihrer Gestaltung eigentümlichen Madonna geliefert. Zugleich erhielten damit die Wallfahrt nach Dimbach und der „Wolfs-Bildstock" am alten Gerolzhöfer Weg, wo unter der Kreuzigungsszene angeblich auch das Wolfsmirakel dargestellt ist, eine Berechtigung als uralte fromme Tradition.

Aus dem Jahr 1667 datieren die ersten glaubhaften Zeugnisse einer Wallfahrt. Anteil daran hatte wohl die 1630 approbierte und 1661 neu gegründete Rosenkranzbruder-schaft, die der Kirche vermutlich ihren Namen „Maria de Rosario" („Maria im Rosenkranz") einbrachte. Einzelne Wunderberichte führten zu einem Höhepunkt zwischen 1740 und 1770, bis mit der Säkularisation 1803 auch die Wallfahrt endete. Dimbach fiel zunächst der Pfarrei Gerlachshausen zu, nach deren Auflösung 1818 übernahmen Kapläne von Stadtschwarzach die Seelsorge. Seit 1950 gehört Dimbach zur Pfarrei Reupelsdorf, die seit den 80er Jahren vom Schwarzacher Pfarrer betreut wird.

Sagenumwobenes Gnadenbild

Mächtig wirkt die dreischiffige Basilika mit Kreuzrippengewölbe-Chor inmitten der umgebenden Felder und Wiesen. Unverwechselbar sind auch das lange Dach und der barocke, birnenförmige Turmhelm. Im Inneren überrascht Dimbach mit einer reichhaltigen Ausstattung und fünf Barockaltären: Die beiden äußeren Altäre stammen aus der Münsterschwarzacher Abteikirche (1694) und wurden 1744 nach Dimbach abgegeben. Ihre Altarblätter zeigen den Hl. Joseph mit dem Jesuskind (links) und eine Maria Immaculata (rechts). Die beiden schräg stehenden, reich gegliederten Chorseitenaltäre zeigen die Hl. Anna mit der jungen Maria (links) sowie den Höllensturz mit dem Hl. Michael (rechts). Sie weisen durch Thematik und Stellung auf den mächtigen Hochaltar hin; in dessen Zentrum steht - neben vielen Darstellungen, die auf die Abtei-Zugehörigkeit des Klosterdorfes verweisen -  das Dimbacher Gnadenbild.

Die sagenumwobene Gnadenmadonna aus dem Jahre 1398 ist in einem von Muschelwerk umgebenen Glasschrein untergebracht, der wohl erst 1767 entstanden ist. Schlicht und zugleich würdevoll wirkt die Bauernplastik, die ursprünglich als Prozessionsmadonna genutzt wurde; im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach übermalt und mit wertvollen Stoffen bekleidet. Hier dürfte wohl auch die „natürliche" Erklärung für den ungewöhnlichen Sitz des Kindes liegen: So vermuten Brückner / Schneider, dass die ursprüngliche Anordnung von Mutter und Kind verändert wurde, „um die Bekleidung zu ermöglichen".

Außerdem sehenswert sind eine barocke Marienfigur im Rosenkranz auf einer Tragestange, die als Prozessionsfigur der Rosenkranzbruderschaft diente, eine spätgotische Mai-Madonna und ein spätgotischer Schmerzensmann. Einzigartig im fränkischen Raum ist übrigens das romanische Dimbacher Kreuzigungsrelief aus der Zeit um 1070, das vermutlich aus der romanischen Abteikirche von Münsterschwarzach stammt.

Von lokaler Bedeutung

Heute ist die Bedeutung der Wallfahrt eher gering. Einige wenige Gruppen, vor allem aber Einzelpilger kommen von auswärts nach Dimbach. Die Einheimischen halten jedoch ihre Madonna hoch in Ehren, die wenigen „Dimbacher Großereignisse" sind dementsprechend stets gut besucht: So findet an Christi Himmelfahrt traditionell der Bittgang von Schwarzach nach Dimbach statt. Auch das Rosenkranzfest wird mit einem Festgottesdienst am zweiten Sonntag im Oktober gefeiert, und zur nachmittäglichen Andacht mit anschließender Prozession sind die Patres und Brüder aus der Abtei Münsterschwarzach eingeladen, der man sich weiter sehr verbunden fühlt.

Anja Legge