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Der Großenberg in Mellrichstadt

Wer den „Großenberg" bei Mellrichstadt erklimmen möchte, braucht weder die Wanderschuhe zu schnüren noch den Rucksack zu schultern. Der von einem Park umgebene „Berg", auf dem seit vielen Jahrhunderten eine Wallfahrtskapelle zu Ehren der Muttergottes steht, misst nämlich nicht viel mehr als fünf Höhenmeter.

Die Wallfahrt auf den Großenberg erreichte im 17. und 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Heute hat das Kirchlein vor allem lokale Bedeutung. Neben einem Ort der Schmerz-Spiritualität ist die Großenbergkapelle auch Erinnerungsort an Mutter Franziska Streitel.

Die Kirche ist normalerweise verschlossen, kann jedoch nach vorheriger Terminvereinbarung mit dem Pfarrbüro besichtigt werden.

Die aktuelle Gottesdienstordnung finden Sie hier

Pfarramt der Pfarreiengemeinschaft Franziska Streitel Mellrichstadt
Bauerngasse 4
97638 Mellrichstadt

Telefon: 09776 / 264
E-Mail: pfarrei.mellrichstadt@bistum-wuerzburg.de

Internet: https://www.pg-franziska-streitel.de/

Bis zu 4.000 Gläubige

Das Jahr der Ersterbauung der Kapelle ist nicht bekannt; Bauformen weisen auf das 13. Jahrhundert hin. Sicher ist, dass das Kirchlein auf der so genannten „Teufelsquelle" erbaut wurde, einer Kultstätte aus heidnischer Zeit. Auch die in unmittelbarer Nähe entspringende „Heilquelle" zog die Menschen seit alters her an. Diese Traditionen machten sich die irischen Missionare zunutze und errichteten hier eine erste kleine Holz-Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass Mellrichstadt zu den ersten fränkischen Missionsgebieten gehört, also Kiliansgebiet ist: Die 742 gegründete Pfarrei Mellrichstadt ist so eine der ältesten der Diözese.

Erstmalige Erwähnung fand die Kapelle 1494, von diesem Jahr an gilt auch die Marien-Wallfahrt auf den Großenberg als gesichert. 1611-1618  wurde die Kapelle durch Abt Christ von Bildhausen in ihrer heutigen Gestalt neu aufgebaut, die Wallfahrt blühte weiter auf. Hauptfeste und -ablasstage waren Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt. 1695 wurde die so genannte Engelshalle hinter der Kapelle angefügt, 1696 gab es sogar einen päpstlichen Ablass. Ihren Höhepunkt erreichte das Wallfahrtsgeschehen im 18. Jahrhundert mit bis zu 4000 Gläubigen am Hochfest Mariä Geburt. 

Sieben Schmerzen Mariens

Der Renovierung durch Abt Christ von Bildhausen in den Jahren 1611 bis 1618 verdankt die Großenbergkapelle ihre drei Sandstein-Altäre sowie die reiche Innenausstattung: Am Hauptaltar von 1618 sind in Form von sechs Medaillons und der Pietà die Sieben Schmerzen Mariens dargestellt: Die Weissagung des Simeon, die Flucht nach Ägypten, Jesus im Tempel, der Kreuzweg Jesu', Jesu' Tod am Kreuz, der tote Jesus im Schoß Mariens (Pietà) und das Begräbnis Jesu. Die als Gnadenbild verehrte Pietà im Zentrum stammt ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert.

Der linke Seitenaltar zeigt die Anbetung der heiligen drei Könige sowie Figuren der Heiligen Gertraud, Elisabeth (Mutter des Täufers) und Katharina. Der rechte Seitenaltar wurde 1525 von den Eheleuten Anna und Israel Schneider aus Mellrichstadt gestiftet: Im Zentrum steht eine Maria mit dem Kind, die von den Eltern Mariens Anna und Joachim sowie den Heiligen Kilian, Burkard und Barbara flankiert wird. Beachtenswert sind auch die wunderschönen Statuen im Kirchenraum: Am rechten Chorfenster Christus Salvator und eine Nachbildung der Figur von Heinrich II aus dem Bamberger Dom, im Langhaus rechts Magdalena und Johannes der Täufer sowie links Stephanus und Laurentius.

Schmerz-Spiritualität im Zentrum

Heute ist der Großenberg ein eher lokaler Gnadenort für Mellrichstadt und Umgebung. Die Liebe der Einheimischen zu ihrer Kapelle wird vor allem am Patrozinium spürbar, das die Mellrichstädter am Sonntag vor oder nach Mariä Geburt mit dem Großenbergfest feiern.

Grund für die Beleibtheit ist zum einen die Darstellung Mariens als Schmerzensmutter: Weil Maria selbst die Härte des Lebens mitgemacht hat, können Leidgeprüfte ihre Sorgen hier gut abgeben. Zum anderen ist der Großenberg stark mit Mutter Franziska Streitel verbunden. Die Gründerin der „Schwestern von der Schmerzhaften Mutter" wurde 1844 in Mellrichstadt geboren und besuchte den Großenberg immer wieder zu Gebet und stiller Einkehr.

Von Mellrichstadt in die ganze Welt

Mutter Franziska wurde 1844 als Amalia Franziska Rosa Streitel in Mellrichstadt geboren. Religiös erzogen reifte in ihr der Entschluss zum Ordensleben; richtungsweisend war dabei die tiefe Liebe zu Maria, die durch ihren bevorzugten Gebetsort auf dem Großenberg noch vertieft wurde. 1866 trat Streitel zunächst bei den Maria-Stern-Schwestern in Augsburg ein; zugleich verspürte sie jedoch den Ruf nach einem franziskanischen Leben und einer tieferen Vereinigung mit Gott. 1882 wechselte sie deshalb in den Karmel Himmelspforten, wo sie schließlich in einer Vision die Berge Alverna und Karmel sich einander zuneigen sah und so ihre wahre Berufung erkannte, nämlich die Verbindung von tätigem und beschaulichem Leben, was nur in einer neuen Gründung zu verwirklichen war. So ging sie schließlich als Schwester Maria Franziska vom Kreuz nach Rom, wo sie 1883 die „Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter" gründete. Mutter Franziska, deren Gründung im Jahr 2008 ihr 125-jähriges Jubiläum feiert, starb 1911 in Castel S. Elia, etwa 50 Kilometer nördlich von Rom.

Mutter Franziskas Leistung liegt in der Verknüpfung franziskanischer Ideale mit der Spiritualität des Karmels. Diese Verbindung, der ihr vorauseilende Ruf der Heiligkeit sowie zwei angebliche Wunder führten schließlich zur Eröffnung des Seligsprechungsprozess, der nach Aussagen von Experten kurz vor dem Abschluss steht.

Die Schwestern von der Schmerzhaften Mutter beschreiten bis heute in täglichen ihrem Dienst Mutter Franziskas doppelten Weg aus beschaulichem und tätigem Leben. Die Hauptaufgabenfelder liegen in den Bereichen Erziehung und Gesundheitsfürsorge für Menschen am Rande der Gesellschaft.

Anja Legge

Großenberg-Lied

Voller Liebe besingt das um 1960 von Max Fritz und Max Schweser komponierte 
Großenberg-Lied das „quellumrauschte Kirchlein" auf dem Großenberg.

Unserer lieben Frau vom Großenberg

1. Steht ein Kirchlein unter Linden
quellumrauscht und altersgrau
Trost und Frieden wir dort finden,
rufen wir zu unsrer Frau:
Gegrüßet seist du Maria, Maria!

2. Hast den Heiland uns geboren,
Ihn, des Allerhöchsten Sohn,
Und der Himmel, einst verloren,
Bleibt nun der Gerechten Lohn.
Gegrüßet seist du Maria, Maria!

3. Du warst Mutter hier auf Erden,
Weißt der Menschen Freud und Leid,
Kennst die Sorgen, die Beschwerden
Und des Lebens Bitterkeit.
Gegrüßet seist du Maria, Maria!

4. Schon seit vielen hundert Jahren
Wallen wir zu dieser Statt,
Immer durfte Huld erfahren,
Wer zu dir gerufen hat:
Gegrüßet seist du Maria, Maria!

5. Mutter Gottes, sieh, wir flehen:
Schaue unsres Daseins Not!
Lass uns Deine Hilfe sehen
Jetzt im Leben und im Tod!
Gegrüßet seist du Maria, Maria!